Weihnachtliche Bräuche

Während der Adventszeit und an Weihnachten gibt es reichlich Gelegenheit, alten Gebräuchen nachzugehen und Traditionen zu entdecken, die vielleicht schon langsam in Vergessenheit geraten.

4. Dezember: Barbaratag
An diesem Tag wird der Schutzheiligen der Bergleute gedacht. Frisch geschnittene Kirschbaum- oder Weichselzweige (oder auch Apfel, Rotdorn oder Haselnuss) werden in eine mit handwarmem Wasser gefüllte Vase gestellt. Zeigen diese am Weihnachtstag Blüten, gilt dies als Zeichen der Erinnerung an den Sproß aus der Wurzel Jesse (=Jesus). Außerdem deuten zahlreiche Blüten auf ein fruchtbares kommendes Jahr und gute Ernte hin. Es war auch üblich, Wunschzettel an die Zweige zu hängen. Welcher Ast dann zuerst eine Blüte zeigte, dessen angehängter Wunsch ging in Erfüllung.

6. Dezember: Nikolaustag
Dieser Tag geht zurück auf eine Legende um den ehemaligen Bischof Nikolaus von Myra. Er war der Schutzheilige und Freund der Kinder, der einem armen Vater drei Goldklumpen als Aussteuer für die heiratswilligen Töchter durch den Kamin in die Stube warf. Seit dem 17. Jahrhundert wird beschrieben, wie der verkleidete Nikolaus in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember von Haus zu Haus geht und die Kinder fragt, ob sie denn auch artig waren. Die braven Kinder erhalten Geschenke, die unartigen einen Streich mit der Rute. Regional unterschiedlich erscheint der Nikolaus entweder als freundlicher alter Mann oder als würdevoller Bischof mit Krummstab und Mitra. Zur Erinnerung stellen die Kinder heute noch Schuhe vor die Tür oder hängen Strümpfe auf, in der Hoffnung, diese am nächsten Morgen mit kleinen Geschenken gefüllt vorzufinden.

8. Dezember: Mariä Empfängnis
Ab diesem Tag zeigen sich alle Backfreudigen von ihrer süßen Seite, denn es ist der Beginn der allgemeinen Weihnachtsbäckerei, die in der Woche vor Weihnachten wieder ihren Abschluß findet.

13. Dezember: Lucientag
Die ersten Gedanken gehen in Richtung der Weihnachtsdekoration. Sowohl Lucienweizen als auch Lucialinsen werden in flache und immer feucht gehaltene Tonschalen gesät. Sie keimen und wachsen so kräftig, daß sie am Heiligen Abend in die Krippenlandschaft miteinbezogen werden können und dort an die wiederkeimende Natur erinnern. Auch Weihnachtssträuße werden jetzt zusammengestellt, so daß sie während der Adventszeit zur Freude anderer Menschen verschenkt werden können.

17. Dezember: Tag des armen Lazarus
Dies ist der Tag der vorweihnachtlichen Besuche. In vorwiegend katholischen Gemeinden ist es üblich, sich dabei ab drei Uhr nachmittags vom Christkindel-Einläuten naher Kirchturmglocken begleiten zu lassen.

21. Dezember: Tag des heiligen Thomas
Auch an diesem Tag werden bevorzugt Segenswünsche vergeben. Wer dieses Datum verschläft, könnte sich dem freundlichen Spott als „Thomas-Faulpelz“ aussetzen.

24. Dezember: Heilig Abend
Es gibt die Sage, dass, wenn man an diesem Tag Stechpalmenzweige an die Haustür hängt, die Elfen darin ihr Weihnachtsfest feiern.

Weihnachtskarten:
Zu Weihnachten Grüße zu verschicken, ist eine noch recht junge Tradition. Die erste Weihnachtskarte soll 1841 von einem schottischen Buchhändler zwecks Schaufensterdekoration ausgestellt worden sein. Erst zwei Jahre später wurden nachweislich die ersten Exemplare per Post versandt. Damals kosteten die Karten übrigens rund einen Schilling, eine Summe, für die immerhin ein leckeres Weihachtsessen erhältlich gewesen wäre.

Christbaum:
Der festlich geschmückte Weihnachts- oder Christbaum geht vermutlich auf die Vorstellung vom Lebensbaum zurück. Man nimmt an, daß der Weihnachtsbaum Anfang des 17. Jahrhunderts zuerst im Elsaß und in der Gegend um Basel verbreitet war. Von dort aus eroberte er allmählich die evangelischen Gemeinden Norddeutschlands und die Großstädte und hatte schließlich auch in den Kirchen beider Konfessionen einen festen Platz. Nach England kam dieser Brauch unter Königin Victoria.

Der Weihnachtsbaum ist ein wichtiger Bestandteil unserer Tradition. An Heiligabend wird er von den Eltern in der Weihnachtsstube heimlich geschmückt. Abends dann, wenn das Glöckchen zur Bescherung ruft, dürfen die Kinder endlich hereinkommen und die Pracht bewundern. Geschmückt wird der Baum – meist eine Tannenart – mit Kerzen, Süßigkeiten, bunten Anhängern, Strohsternen und Christbaumkugeln. Je nach Geschmack dominiert eine Farbe, oft Rot, aber auch Blau oder Gold ist beliebt.


Bevor es den Weihnachtsbaum gab, wurden zu Ehren der germanischen Erdgöttin Perchta in Mitteleuropa Tannenzweige, oder Sträuße aus Eibe, Stechpalme, Wacholder oder Buchsbaum aufgehängt. Perchta und Wotan pflegten mit ihrer Geisterschar besonders am 25.12. und 6.1. die Lande unsicher zu machen. (s. auch Hintergründe)

Advent:
Die Adventszeit beginnt mit dem vierten Sonntag vor Weihnachten, dem Beginn des Kirchenjahres. „Advent“ heißt Ankunft und ist die Zeit der Vorbereitung auf die Ankunft Christi. Als Zeichen des näherkommenden Ereignisses gilt der Adventskranz mit den vier Kerzen, von denen pro Adventssonntag eine mehr angezündet wird.

Adventskranz:
Das Licht ist ein Symbol für Hoffnung und die Abwehr des Bösen, und es vertreibt die Dunkelheit. Für die Adventszeit wird ein Kranz aus Tannenzweigen gebunden, auf dem vier Kerzen angebracht werden. Darüber gibt es ein allseits bekanntes Gedicht:
„Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür.“
Der Adventskranz ist einer der jüngeren Bräuche; in Deutschland kennt man ihn erst seit dem Ersten Weltkrieg.

Eine andere Version besagt, daß der Adventskranz ursprünglich 24 Kerzen hatte, aus Holz und nicht aus Tannenzweigen war und um 1850 im „Rauhen Haus“ in Hamburg hing, dem von Johann Friedrich Wichern gegründeten Erziehungsheim für sozial vernachlässigte Jugendliche. Um 1860 kam der Brauch auch nach Berlin. Und nach dem 1. Weltkrieg wurde dann unser Tannenkranz mit 4 Kerzen draus. (Quelle: jesus-online.de)

Auch eine heidnische Vergangenheit gibt es: Man hing Kränze oder einzelne, immergrüne Zweige über Türen und Toren auf, um das Haus vor Hexen zu schützen.

Adventskalender:
Die früheste Erwähnung findet sich in einem Kinderbuch von Elise Averdieck aus dem Jahr 1851. Ursprünglich wurde ab dem 1. Dezember täglich ein Bild an die Wand gehängt. Oder man malte an eine Wand oder Tür 24 Kreidestriche, von denen die Kinder jeden Tag einen wegwischen durften.
Kommerziell hergestellt wird der Adventskalender in Deutschland seit 1903. Er enthielt damals noch keine Türchen, dafür aber farbenprächtige Zeichnungen, die ausgeschnitten und auf einen Pappkarton geklebt werden konnten. Intitiator dieses Kalenders war der Münchner Verleger Gerhard Lang. Der erste Türchen-Kalender kam 1920 auf den Markt.
Im 2. Weltkrieg wurden Bildkalender wegen der Papierknappheit verboten. Doch schon 1946 stellte der Verleger Richard Sellmer erneut Adventskalender für den Verkauf her. (Quelle: Rhetorik-Newsletter vom 20.11.02, KomMa-net.de)

Krippe, Krippenspiel:
Die Darstellung der Krippenszene und die Verwendung der Krippe in Weihnachtsspielen geht vermutlich auf Franz von Assisi zurück. 1223 wurde er mit lebenden Ochsen und Eseln in einer szenischem Bild dargestellt. Die Tradition des Aufführens von Krippenspielen entstammen höchstwahrscheinlich dem Brauch, in Europa zu Weihnachten Theater- und Schaustücke aufzuführen.

Geschenke:
Woher der Brauch, sich zu Weihnachten zu beschenken, kommt, läßt sich auf mehrere Dinge zurückführen. Die Geschenke mögen ursprünglich ein Symbol für die Gaben der Weisen aus dem Morgenland gewesen sein. Zu Zeiten Cäsars wurden die Beamten zu Beginn eines jeden Jahres von der Bevölkerung beschenkt. Auch die Sklaven erhielten Gaben von ihren Herren. Und zum Fest der Wintersonnenwende wurde in vorchristlicher Zeit den Göttern geopfert, damit sie das Haus vor bösen Geistern schützten und für die Fruchtbarkeit der Felder sorgten.

Kerzen:
Auf die Sitte der Germanen, die Toten zu begrüßen, geht das Aufstellen von Kerzen zurück. An den Tagen des 25.12. und 6.1., als außer einigen Göttern auch die Seelen der Toten unterwegs waren und in die Häuser der Lebenden zurückkehrten, wurden Kerzen angezündet, die die Seelen der Verstorbenen wärmen und erfreuen sollten.

Gebäck:
Ebenfalls germanischen Ursprungs ist die Tradition, zu Weihnachten Gebäck bereit zu halten. Man wollte der Göttin Perchte gerne Speisopfer anbieten. Hierzulande wird das Gebäck vermutlich über Nacht in einer verschlossenen Dose gelagert, aber in Verbindung mit Santa Claus gibt es immer noch den Brauch, in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember Milch und Kekse bereit zu stellen, damit er sich auf seiner langen, arbeitsamen Reise daran gütlich tun kann.

Mistelzweige:
In England und Skandinavien ist das Aufhängen von Mistelzweigen schon lange üblich. Die Zweige sollten das Haus vor bösen Geistern schützen. Außerdem waren sie ein Symbol des Friedens. So sollten sich unter einem Mistelzweig Feinde küssen und wieder versöhnen. Noch heute ist das Küssen unter einem Mistelzweig üblich, allerdings in leicht abgewandelter Form.

X-mas:
X-mas ist  im englischsprachigen Raum eine Abkürzung für Weihnachten. Sie geht angeblich auf schreibfaule Geistliche zurück. Da X im Griechischen für Christus (Xristos) steht, haben sie einfach X-mas statt Christ-mas geschrieben.

Weihnachtsmann:
Woher der Weihnachtsmann kommt, verdient eigentlich eine eigene Seite, hier geht es mehr um seinen Modegeschmack. Warum ist er so gern in Rot gekleidet? Das hat er nicht Coca-Cola zu verdanken, wie gern behauptet wird, sondern der New York Times, die 1927 Folgendes in die Welt gesetzt hat: „Größe, Gewicht und Statur sind ebenso vereinheitlicht wie das rote Gewand, die Mütze und der weiße Bart.“ Davor war der Weihnachtsmann auch mal in Blau, Grau, Braun oder Gelb gewandet.

(Quellen: Mannheim illustriert, report, 12/97; Lieder und Bräuche aus Europa – Beilage zur CD „Festliche Weihnacht“; Mein schöner Garten, Ausgabe Dezember 2001; tv14 Nr. 26/2005)